| 1277 |
Am 25. Juni verkauft der Wettiner Markgraf Dietrich von
Landsberg dem Bischof Friedrich von Merseburg das Gericht Eisdorf samt
Zubehör und allem zum Distrikt gehörenden Orten für 300 Mark Silber. Unter
den insgesamt 30 Orten werden auch Starsiedel und Kölzen genannt und damit
erstmals urkundlich erwähnt.
Starsiedel schreibt sich in dieser Urkunde “Ztarcedele”.
Der Ortsname dürfte slawischen Ursprungs sein (“Staro Zedlo” = altes Land,
alte Siedlung) und läßt die Vermutung zu, daß die aus dem südöstlichen
Raum eindringenden Slawen hier bereits auf eine ältere Ansiedlung gestoßen
waren.
Der Gerichtsstuhl Eisdorf gehörte im 14. Jahrhundert zum Bistum Merseburg,
das aus den vier Ämtern Merseburg, Schkeuditz, Lauchstädt und Lützen bestand. |
| 1323 |
Heinrich de Burnis werden zwei Hufen (Bezeichnung für die
bäuerliche Hofstätte mit Grund und Boden, ca. 30-60 Morgen) in Starsiedel
überlassen.
Die Familie “von dem Borne” wird in den Urkunden des Hochstiftes Merseburg
öfter genannt. |
| 1337 |
Die Pfarrkirche zu Starsiedel wird erwähnt.
(Quelle Heimatblatt Eythra: 1337 - Eythra wird neben Starzedil = Starsiedel
ausdrücklich als Parochialkirche genannt.) |
| 1366 |
Als
Besitzer des Sattelhofes in Starsiedel werden die altadligen Familien
Starzedel, sowie Theodoricus von Starzedel in der Urkunde als Zeige genannt. |
| um 1450 |
Das Rittergut Kölzen ist in Besitz der Familie von Burckersroden,
das gesamte Feld gehört dem Rittergut, das Dorf selbst hat keine Flur.
In Kirchlichen Belangen gehört Kölzen zu Starsiedel. |
| 1542 |
In Lützen wird die Reformation eingeführt, nach und nach
auch in den Dörfern des gleichnamigen Amtes. |
| 1527 bis 1547 |
Starsiedel bildet mit Pobels eine Pfarrgemeinde. Pastor
ist Gregorieus Guldner aus Pobles. Der erste evangelische Pfarrer in Starsiedel
wird Hohann Fiedler (1547-1562) |
| 1545 |
Es findet eine allgemeine Visitation der Stiftskirche statt,
um den Umgang mit der Lehre, den Lebenswandel der Geistlichen, sowie die
Einkommensverhältnisse zu überprüfen. Am 11.02.1545 werden die Gemeinden
Starsiedel und Pobles “visitiert”.
Es Erschienen 44 hausbesessene Männer aus Starsiedel und 10 aus Pobles.
Den Kirchenältesten wird aufgetragen, künftig darauf zu achten, daß nicht
während der sonntäglichen Predigt Branntwein ausgeschenkt wird, die Krämer
auf dem Friedhof Pfefferkuchen verkaufen oder gar gekegelt wird. |
| 1592 |
Um Johann Friedrich Freiherr von Burckersroden verkauft
das Lehn- und Rittergut Kölzen mit seinem Ober- und Niedergericht samt
dem dazugehörenden Sattelhof in Starsiedel an Carl von Dieskau. |
| 1610 |
Der “Starsiedler Rein”, d.h. der Weg von Starsiedel nach
Lützen, wird angelegt. |
| 1653 |
In einer Kirchenrechnung wird das Dorotheen-Fest zu Starsiedel
erwähnt, welches der Überlieferung zufolge hier alljährlich am 6. Februar
gefeiert worden ist. Initiatorin sei Dorothea von Burckersroden vom Rittergut
Kölzen gewesen. |
| 1654 |
Der Zustand der Kirche wird vom hiesigen Pastor Andreas
Lyshenius (1652-1660) als stark baufällig beschrieben. Viele Inventarien
seien verschollen. Nach Aussagen von Pastor Johann Eberhard Mund (1756-1762)
hatte die Kirche noch drei Glocken, gekennzeichnet mit den Jahreszahlen
1473, 1475 und 1505. |
| 1678 |
19. Juli: Das Winklerische Gut in Starsiedel und andere
Häuser in der Dorflage brennen nieder. |
| 1747 |
Am 18. Juni wird die neue Kirche in Starsiedel auf dem Gelände
der alten in Verbindung mit der feierlichen Einweisung des neuen Küsterlehrers
Johann Michael Ecke aus Meuchen eingeweiht. Beim Neubau wird jeweils eine
eigene Kirchenloge für Besitzer der Rittergüter Kölzen und Starsiedel
eingerichtet. |
| 1755 |
Es fallen wieder mehrere Häuser einem Brand zum Opfer, darunter
auch das Pfarrhaus. |
| 1760 |
Nach Aussage von Pastor Johann Eberhard Mund muß Starsiedel
jährlich eine bestimmte Menge Getreide an den Pastor zu Knautnaundorf
liefer, wobei der Ursprung der Abgabepflichtigkeit nicht mehr nachvollziehbar
sei. |
| 1797 |
Die Rittergüter in Kölzen und Starsiedel befinden sich im
Besitz der Freiherren von Seckendorf. |
| 1779 |
In diesem Jahr heiratet Christiane Sophie Bernhardine Freiin
von Seckendorf Christian Adolph Carl Böse. Vater der Braut ist Franz Philipp
Freiherr von Seckendorf. 1816 wird diese Familie in den preußischen Grafenstand
erhoben. |
| 1803 |
Adolph Franz Carl von Seckendorf verkauft das “schriftsassige”
Rittergut, der Sattelhof genannt, nebst den dazugehörenden Gebäuden, Feldern
und Gerechtigkeiten (Frondienste, Erbuntertanen, Gericht) an Georg Nebe. |
| 1813 |
Im Rahmen der Kampfhandlungen vom 2. Mai in Großgörschen
wird auch Starsiedel unmittelbar betroffen. Unser Dorf wird mehrfach unter
Beschuß genommen, an verschiedenen Stellen bricht Feuer aus. Insgesamt
werden 16 Gehöfte und
2 Scheunen völlig vernichtet. Die meisten Kircheninventarien werden entwendet,
die Kirche selbst dient als Lazarett. Als Folge der Vielvölkerschlacht
bei Leipzig
(16. bis 19. Oktober) bricht das napoleonische System zusammen, woraufhin
am 21. Mai 1815 König Friedrich August I von Sachsen als französischer
Verbündeter fast 3/5 des sächsischen Königreiches an Preußen abtreten
muß. Starsiedel gehört nun zur preußischen Provinz Sachsen mit Sitz Merseburg
als “Regierung im Herzogtum Sachsen”. |
| 1845 |
Am 16. Februar wird das 25jährige Amtsjubiläum des Pastors
Johann Andreas Hochheim (1820-1865) mit einem gemeinsamen Festumzug zur
Kirche und anschließendem Gottesdienst begangen. In seinem Testament setzt
er seinen jüngeren Bruder Christian zum Universalerben ein und legt fest,
daß jährlich ein Betrag von 200 Talern den vier ärmsten Konfirmanden der
Pfarrgemeinde Starsiedel zur finanziellen Unterstützung bereitgestellt
wird. Sein Grab ist heute noch auf dem Friedhof von Starsiedel zu finden.
|
| 1852 |
Im Verzeichnis der Ortschaft des Regierungsbezirkes Merseburg
werden Starsiedel genannt mit 334 Einwohnern und 51 Wohnhäusern, das Rittergut
Nebe mit 7 Einwohnern und 2 Wohnhäusern. Im Dorf Kölzen leben 65 Einwohner
in 11 Wohnhäusern, auf dem Rittergut 11 Einwohner in einem Wohnhaus. |
| 1872 |
Das hölzerne Taufgestell in der Kirche wird durch einen
Taufstein ersetzt, gestiftet von Franz Naundorf. Am 19. Oktober werden
die drei neuen Glocken eingeweiht. |
| 1884 |
Vom Amtswegen wird beschlossen, den “Kommunikationsweg”
von Lützen nach Starsiedel sowie zur Dorflage Kölzen zu pflastern, um
den Weg in einen Zustand zu versetzen, der den Verkehrsverhältnissen entspricht.
Später erfolgt eine Baumbepflanzung am Wegesrand. |
| 1898 |
Vorstand der Gemeinde Starsiedel ist Carl Niele (bis1919),
geboren am 30.10.1856 in Starsiedel als Sohn des Oberstattelhofbesitzers
Carl Friedrich Niele. In seiner Funktion als Gemeindevorsteher zeichnet
es sich besonders durch seine humane Vorgehensweise bei der Durchführung
der Kriegsverordnungen 1914-1918 aus (Verteilung von Brot- und Fleischmarken,
Getreide- und Viehabgaben). Er bekommt das Verdienstkreuz für Kriegshilfe
und wird Mitbegründer der Spar- und Darlehnskasse Starsiedel 1897. Als
Gemeindevorstand in Kölzen arbeitet Käsefabrikbesitzer Ernst Rusche, Amtmann
und Reserveleutnant Otto Bressel ist Gutsvorsteher. |
| 1914 bis 1918 |
Während des 1. Weltkrieges werden die Bronze der Glocken
und das Zinn der Orgelpfeifen zur Munitionserzeugung gebraucht. Die Restaurierung
des hölzernen Taufgestelles, das lange Zeit seiner Bestimmung entzogen
war, wird von Hermann Patschke und seiner Ehefrau Henriette geb. Rittershaus
in den Kriegsjahren 1916/17 gestiftet. Insgesamt kehren 14 Männer aus
Starsiedel und Kölzen aus dem Krieg nicht mehr zurück. |
| 1918 |
Am 16. Juni tritt Dr. Rudolf Joachim Friedrich Stöwesand
seine Stelle als Pastor der Gemeinde Starsiedel und Kölzen an. Neben seiner
seelsorgerischen Tätigkeit wird er durch seine Arbeit auf dem Gebiet der
Heimatforschung und seine Veröffentlichungen weithin über Lützen und Umgebung
bekannt (“Der ewige Wanderer, Der Weg nach Lützen, Die Kirche von Starsiedel”
u.v.m.). 1934 verläßt Stöwesand unser Dorf und geht nach Zörbig. |
| 1935 |
Im Sommer erfolgt die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. |
| 1937 |
Im Februar wird der Rassekaninchenzüchterverein G. 402 Starsiedel
gegründet. |
| 1945 |
Starsiedel hat nach Ende des 2. Weltkrieges 36 Gefallene
zu beklagen, 17 Männer werden vermißt. |
| 1945 |
Von Zerstörungen bleibt unser Dorf weitgehend verschohnt,
lediglich am zweiten Pfingstsonntag 1944 schlägt eine verirrte Flakgranate
in ein Wohnhaus in der jetzigen Friedensstraße (ehemaliges Grundstück
Niele) ein, die aber wenig Schaden anrichtet. Bei den Kampfhandlungen
im April 1945 schlägt eine Granate in das Wohnhaus Kriester (Gostauer
Straße) ein, ebenfalls mit geringen Schaden. Amerikanische Truppen besetzen
unseren Ort am 13. April 1945 ohne Kampfhandlungen. Am Tag darauf findet
ein Artilleriegefecht zwischen amerikanischen Panzereinheiten und deutschen
Flakstellungen statt, das sich in östlicher Richtung vom Ort zuträgt.
In der letzten Juniwoche räumen die Amerikaner Starsiedel, am 1. bzw.
2. Juli ziehen russische Truppen von Großgörschen kommend durch unser
Dorf. |
| 1947 |
Die am Teich stehenden Pappeln werden zu Holzpantoffeln
für Flüchtlinge verarbeitet, der Restabfall ist für die Schulheizung bestimmt.
Bis 1957 ist die alte Schule im Haus Nr.1, dann im Haus Nr.2 der Großgörschner
Straße untergebracht. Durch den Neubau einer 10-Klassen-Schule in Großgörschen
wird die Starsiedler Grundschule 1971 endgültig aufgelöst. |
| 1950 |
Ab 1. Juli gehört die Gemeinde Starsiedel zum Kreis Weißenfels. |
| 1952 |
Ende des Jahres wird die LPG “Deutsch-Sowjetische-Freundschaft”
in Starsiedel gegründet, im Mai des folgenden Jahres die LPG “Roter Stern”
in Kölzen. Am 1. Januar 1960 schließen sich beide LPG’ en zu der LPG III
“Roter Banner” zusammen. 1990 wird die LPG “Tierproduktion Starsiedel”
in die Agrargenossenschaft Lützen aufgenommen. |
| 1965 |
Am 1. September werden im gesamten Dorf Straßennamen und
Hausnummern vergeben. |
| 1972 bis 1974 |
In Dieser Zeit wird der Kirchturm verkürzt. Dabei werden
Kopien von alten Münzen und Urkunden, die kaum lesbar sind, gefunden. |
| 1976 bis 1979 |
In diesen Jahren wird das gesamte Dorf durch Eigeninitiative
der Bewohner an das zentrale Wasserleitungsnetz angeschlossen. |
| 1977 |
Am 4. September wird im Rahmen eines großen Volksfestes
die 700-Jahr-Feier der Gemeinde Starsiedel begangen. |
| 1979 |
Im Oktober wird die neue Wartehalle am Dorfplatz durch Herrn
Bügermeister Erhard Rennecke übergeben und mit einem Volksfest verbunden. |
| 1980 bis 1983 |
Anschließend erfolgt wieder durch Eigeninitiative der Dorfbewohner
der Kanalisationsbau. |
| 1984 |
Am 1. Mai wird der Grundstein für den Neubaublock mit 24
Wohnungen in der Kölzener Straße gelegt und am 7. Oktober 1985 bezugsfertig
übergeben. |
| 1987 |
Am 6. Februar und zwischen dem 18. und 20. März kommt es
zu einem Hochwasser in Starsiedel, das den Arbeitseinsatz aller verfügbaren
Kräfte notwendig macht. |
| 1993 |
Am 28. Oktober wird der erste Spatenstich für die erste
im Kreis Weißenfels entstehende Wohnanlage unter der tatkräftigen Unterstützung
der ehrenamtlichen Bürgermeisterin Brigitte Peisker vollzogen. Richtfest
für die ersten Häuser ist am 27. April 1994. Die ersten “Neustarsiedler”
aus dem Raum Leipzig und Stuttgart ziehen am 30.09.1994 in ihre Eigenheime
ein. |