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Junge Mütter wollen ihren Kindern mit Bio Gutes tun
Gemeinde StarsiedelÖKOLOGISCHE PRODUKTION Für die Landwirte kommt aus Osteuropa eine starke Konkurrenz.
Der Kunde im Burgenlandkreis lässt sich vor allem vom Preis leiten.
von Heike Riedel, 29.06.10 MZ. WSF

Starsiedel/Weissenfels/MZ.
Bio läuft immer besser, so die einheitlichen Auskünfte der Zentralen der Lebensmittelmarktketten. "Hier allerdings mit geringem Wachstumstempo", konkretisiert Manuela Fränzel, Bereichsleiterin im Globus-Markt Theißen, ihre Beobachtungen im Burgenlandkreis. Den Produkten hänge noch das Image "teuer" an. Obwohl die Preise sich den der normalen Waren schon stark genähert hätten, sieht sie darin einen Grund, warum der Bio-Kundenkreis nur langsam wächst. Stammkundschaft und junge Mütter griffen vor allem zu Bio, so ihre Beobachtung. "Es lohnt sich derzeit nicht, die Anbaufläche für die ökologische Produktion zu erweitern", schätzt Werner Hofreiter als Landwirt den Biomarkt ein. In seinem Betrieb, der Agrar- und Dienstleistungsgesellschaft Lützen-Dölzig (ADG), beschäftigten sich kürzlich 40 Bio-Produkte-Hersteller - Biomühlen, Bäckereien, Biokraftfutterwerke, Hühnerhöfe und andere - mit dem Marktgeschehen in der Branche. Da mischen immer stärker osteuropäische Firmen mit, die zur Billigkonkurrenz werden.

Werner und Siegfried Hofreiter betreiben seit 15 Jahren in Deutschland neben konventioneller auch Bio-Landwirtschaft, haben Kunden in Dänemark, Holland, England, der Schweiz. "Wir sind ein Riese unter den Öko-Zwergen", sagt Siegfried Hofreiter angesichts von insgesamt 18 000 Hektar Feldfläche, von denen die Brüder deutschlandweit Bio-Feldfrüchte unter dem Dach von Bio-Farmers vermarkten.

Seit neun Jahren ist das Starsiedeler Unternehmen ADG Marktfrucht mit gut 1 400 Hektar daran beteiligt. Doch muss bei der Bioproduktion hart gerechnet werden. Die Erträge liegen niedriger, es kann eher zu Ausfällen kommen, manchmal ist Handarbeit nötig. "Ich bin überzeugt, dass der Endkunde dafür so viel zahlt, dass wir alle überleben können", sagte Siegfried Hofreiter vor seinen Kunden.

In den Zentren des Biomarktes, München, Hamburg und dem Ruhrgebiet, scheint das zu funktionieren. Im Burgenlandkreis haben es Bio-Produkte hingegen schwer. Hier stehen die nach EG-Ökoverordnung hergestellten und so kenntlich gemachten Waren zum Beispiel auch bei Kaufland in den Regalen neben den konventionell produzierten.

"Ist wirklich Bio drin, wo Bio drauf steht", war sich Anke Lichtblau misstrauisch und sieht in Bio nur einen Mode- und Preistrend. "Das ist doch nur Geldschneiderei", meinte Ina Buttlar. Rauszukriegen, was wirklich Bio ist und wo es sich lohnt, mehr Geld zu bezahlen, das ist ihr zu mühsam. "Für meine kleine Tochter greife ich schon zu den teureren Bio-Säften", äußerte Anja Gottschalk. "Wo es geht verlasse ich mich auf Frisches aus dem Garten und das muss an Bio reichen", sagte Werner Richter. "Konservierungs- und bestimmte Zusatzstoffe dürfen nicht drin sein", erklärte Evelin Sachse. So kommt sie zu Bio im Korb.

Viele Marktketten haben preisgünstige Bio-Eigenmarken im Regal. Das Bio-Sonnenblumenöl kostet da etwas mehr als ein Sonnenblumenöl ohne Bio-Zeichen, aber deutlich weniger als das Bio-Öl einer anderen bekannten Marke. Deutlich abgehoben von den Durchschnittspreisen sind die Bio-Pasta-Soßen. Dafür gibt es nach Öko-Verordnung produzierte Nudeln durchaus schon auf normalem Preisniveau, sind etliche Nudelmarken sogar teurer als die Bio-Produkte. Im Regal wird dann öfter zu Bio gegriffen, als wenn es extra steht. In einigen Märkten ist aber auch zu hören: "Das geht bei uns nicht so richtig". So wird unter dem Siegel der Verschwiegenheit gesprochen. Denn offiziell müssen auch sie die Bio-Schiene viel stärker vertreten. Während das bei Eiern, Zitronen und Tomaten noch gelingt, bringen andere Frischprodukte teilweise hohe Verluste ein.

Quelle: mz-web.de
Geschrieben am Donnerstag, 01.Juli 2010 @ 12:09:18 CEST von matrix
 
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